„Jeder Bürger im Visier“ | Von Tilo Gräser
Episode von apolut: Tagesdosis von apolut · 26. August 2026 · 23 min
Staatliche Verfassungsgegner rüsten Geheimdienste auf – vor allem gegen Regierungskritiker
Ein Kommentar von Tilo Gräser.
Der 12. August dieses Jahres war nicht nur der Tag der Sonnenfinsternis. Es war auch der Tag, an dem ein weiteres Mal ein dunkler Schatten sich über den Rechtsstaat legte. Ein solcher soll die Bundesrepublik Deutschland laut dem Grundgesetz und dem Bundesjustizministerium sein. Die Bundesregierung aus Union und SPD stellte just an diesem Tag einen Gesetzentwurf vor, mit dem sie die bisherigen Nachrichtendienste „reformieren“ will. Das heißt, aus dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Verfassungsschutz sollen „richtige Geheimdienste“ werden.
Sie sollen neue Befugnisse bekommen, um gegen ausgemachte äußere und innere Feinde aktiv vorgehen zu können. Angeblich durften die sogenannten Verfassungsschützer von Bund und Ländern sowie der BND bisher nur Nachrichten und Informationen sammeln. Ihre skandalträchtige Geschichte mit solchen Kapiteln wie „Celler Loch“ oder dem NSU-Skandal zeugt eher davon, dass sie schon bisher mehr taten.
Nun sollen sie aber richtig eingreifen, ausspionieren, Fallen stellen, Wohnungen durchsuchen und auch Desinformation verbreiten sowie hacken und lahmlegen dürfen, auch Beweismittel fälschen. Und wahrscheinlich noch mehr, gelten doch Geheimdienste wie die CIA der USA oder der britische MI6 sowie wahrscheinlich auch die Israels mit ihren verbrecherischen Operationen als Vorbilder. Wie weit die Befugnisse ausgeweitet werden sollen, ist auf mehr als 700 Seiten des Gesetzentwurfes zu lesen – eine Aufgabe, die vor allem jene überfordern dürfte, die am meisten davon betroffen sind: die Bürger dieses Landes. „Jeder in der BRD könnte plötzlich von solchen staatlichen Überwachungsmaßnahmen betroffen sein“, erklärte der Rechtsanwalt Peter Klusmann dazu am 15. August gegenüber der Tageszeitung junge Welt.
Laut Pressemitteilung der Bundesregierung vom 12. August handelt es sich um „die umfangreichste und grundlegendste Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen von Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Verfassungsschutz in der bundesdeutschen Geschichte“. „Mehr Befugnisse und zusätzliche operative Fähigkeiten“ seien notwendig, da Deutschland „ständiges Ziel von hybriden Angriffen auf unsere freie Gesellschaft, unser Werteverständnis und unsere Sicherheit“ sei. Das erklärte Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU), zuständig unter anderem für den BND, dazu. Und begründete das mit „dem Schutzauftrag des Staates gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern“.
...https://apolut.net/jeder-burger-im-visier-von-tilo-graser/
Weitere Episoden von „apolut: Tagesdosis“
- Ex-CIA-Analyst zerlegt westliche Berichterstattung | Von Rainer Rupp 16. Oktober 2026
- Die Ukraine im Überlebensmodus | Von Thomas Röper 15. Oktober 2026
- Trump dealt mit Putin und will Selenskyj loswerden | Von Tilo Gräser 14. Oktober 2026
- Klingbeil: Neuanfang oder Kanzlerträume? | Von Claudia Töpper 13. Oktober 2026
- Hinrichtung live: Mord als Unterhaltung | Von Paul Clemente 12. Oktober 2026
- Ex-BND-Chef Hanning: Korruption im Auftrag des Staates | Von Thomas Röper 9. Oktober 2026
- Die Brandmauer brennt! | Von Janine Beicht 8. Oktober 2026
- Auf Abwegen: Ehemalige und heutige Geheimdienstchefs | Von Tilo Gräser 7. Oktober 2026
- Der Deutsch-Ukrainische Deal | Von Claudia Töpper 6. Oktober 2026
- Arm, aber bewaffnet – Reden, Demos & Antifa am Tag der Einheit | Von Paul Clemente 5. Oktober 2026
- Der Westen verliert am Golf | Von Rainer Rupp 2. Oktober 2026
- Trumps neuer Deal: Volle KI-Power, null Kontrolle | Von Janine Beicht 1. Oktober 2026
- Arroganz statt Diplomatie | Von Tilo Gräser 30. September 2026
- EU plant gigantische Rüstungs-Offensive | Von Michael Hollister 29. September 2026
- Waterloo für die Pflege-Reform | Von Paul Clemente 28. September 2026
Alle Episoden von apolut: Tagesdosis · Mehr Government-Podcasts