078 - Prof. Dr. Eva Asselmann: „Too Much" – Warum wir Kontrolle suchen und wie wir sie loslassen
Episode von book:deluxe - Der Büchertalk mit Bärbel Schäfer von Bärbel Schäfer · 15. Juli 2026 · 33 min
Alles zu viel? Push-Nachrichten, E-Mails, Krisen, To-dos, die nie enden – das Gefühl der permanenten Überforderung kennt inzwischen fast jede und jeder. In dieser Folge von book:deluxe spricht Bärbel Schäfer mit Psychologieprofessorin und SPIEGEL-Bestsellerautorin Prof. Dr. Eva Asselmann über ihr neues Buch „Too Much. Warum wir Kontrolle suchen – und Kraft im Loslassen finden" (erschienen bei dtv).
Eva Asselmann, Professorin für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie an der HMU Health and Medical University in Potsdam, erklärt im Gespräch, warum unser Stressempfinden seit Jahren messbar steigt – und warum das kein individuelles Versagen, sondern das Ergebnis eines ganzen Bündels an Faktoren ist: Beschleunigung durch Technik und KI, permanente Erreichbarkeit, eine fragmentierte Gesellschaft und eine Flut an Negativschlagzeilen, die unser Gehirn ständig in Alarmbereitschaft hält.
Im Zentrum des Gesprächs steht ein scheinbares Paradox: Je mehr wir versuchen, unser Leben zu kontrollieren, desto mehr scheint uns die Kontrolle zu entgleiten. Eva Asselmann erklärt, warum Kontrolle ein zutiefst menschliches, evolutionär verankertes Grundbedürfnis ist – und wie sich dieses Bedürfnis heute in Ersatzstrategien wie exzessivem Self-Tracking, Kalorienzählen oder ständigem Schlaf-Monitoring äußert, die uns am Ende oft mehr schaden als nützen.
Weitere Themen der Folge: warum Zugehörigkeit trotz digitaler Vernetzung schwindet, wie Kontrollverlust den Nährboden für Verschwörungsmythen und populistische Narrative bildet, warum wir uns in den kuratierten Scheinwelten von Social Media ständig vergleichen und dabei vergessen, dass wir nur die Highlights der anderen sehen – und warum ausgerechnet Deutschland historisch bedingt ein besonders hohes Sicherheitsbedürfnis hat.
Ganz praktisch wird es, wenn Eva Asselmann erklärt, wie wir aus der Opferrolle in die Selbstwirksamkeit zurückfinden, warum Pausen keine Schwäche, sondern eine Voraussetzung für langfristige Leistungsfähigkeit sind, und wie wir – Stichwort Sunk-Cost-Effekt – lernen können, Projekte und Belastungen bewusst loszulassen, statt uns mit letzter Kraft daran festzuklammern.
Ein Gespräch voller Aha-Momente für alle, die sich gerade selbst ein bisschen „too much" fühlen – und die wieder mehr Klarheit, Gestaltungskraft und Selbstwirksamkeit in ihren Alltag holen wollen.
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