Bruce McArthur – Der Gärtner des Grauens

Episode von Serienmord & Wahnsinn von Martin Benes · 10. Juni 2026 · 22 min

---werbung---

3.504 Shops mit Cashback

https://klick.short.gy/CashBack

BALD AUCH MIT AMAZON!

---werbung---

❤️ Danke für deine Unterstützung!

Jede Folge kostet Zeit und Herzblut. Wenn dir der Podcast gefällt, freue ich mich über ein kleines Trinkgeld. Schon der Preis eines Kaffees macht einen Unterschied.

☕ Kaffee ausgeben: klick hier

Der Morgen, an dem alles endete

Toronto, 18. Januar 2018.

Es war ein kalter Wintermorgen. Die Straßen der kanadischen Millionenstadt lagen unter grauem Himmel, als Ermittler der Toronto Police Service bereits seit Stunden eine Wohnung observierten. Die Beamten waren nervös. Wochenlang hatten sie Hinweise gesammelt, Bewegungen verfolgt, digitale Spuren ausgewertet und einen Mann beobachtet, der nach außen völlig gewöhnlich wirkte.

Bruce McArthur.

66 Jahre alt.

Landschaftsgärtner.

Bekannt in Teilen der Stadt als freundlicher Weihnachtsmann bei Einkaufszentren.

Ein Mann, der höflich wirkte, gesellig sein konnte und in der LGBTQ-Community Torontos kein Unbekannter war.

An diesem Morgen beobachteten die Ermittler, wie ein jüngerer Mann das Wohnhaus betrat. Wenig später entschieden sie sich zum Zugriff. Die Situation erschien plötzlich zu riskant.

Als Polizisten die Wohnung betraten, fanden sie einen Mann gefesselt auf einem Bett vor. Er lebte. Er blieb unverletzt. Doch für die Ermittler bestätigte sich in diesem Moment ein Verdacht, der sich seit Monaten verdichtet hatte.

Bruce McArthur wurde festgenommen.

Die Verhaftung markierte nicht das Ende eines einzelnen Mordfalls.

Sie markierte die Aufdeckung einer der schlimmsten Serienmordserien in der Geschichte Kanadas. Eine Verbrechensserie, die sich über fast ein Jahrzehnt erstreckt hatte und deren Opfer überwiegend aus einer Gemeinschaft stammten, die sich jahrelang von den Behörden nicht ausreichend gehört fühlte.

Noch ahnte die Öffentlichkeit nicht, welche Bilder, Beweise und menschlichen Tragödien in den folgenden Wochen ans Licht kommen würden.

Ein Mann, der unscheinbar wirkte

Bruce McArthur wurde 1951 in Kanada geboren.

Wer ihm begegnete, beschrieb ihn häufig als freundlich, ruhig und hilfsbereit. Er war verheiratet gewesen und hatte Kinder. Später trennte er sich von seiner Frau und lebte offen als schwuler Mann.

Nach außen führte er ein scheinbar normales Leben.

Er arbeitete als selbstständiger Landschaftsgärtner.

Er pflegte Gärten.

Er transportierte Pflanzen.

Er bewegte sich durch verschiedene Stadtteile Torontos.

Viele Kunden vertrauten ihm.

Viele Nachbarn kannten ihn.

Gerade diese Unauffälligkeit machte ihn für Ermittler später so schwer greifbar.

Denn nichts an seinem öffentlichen Auftreten ließ erkennen, dass hinter dieser Fassade ein Mann lebte, der über Jahre hinweg tödliche Gewalt ausübte.

Toronto und das Village

Um den Fall zu verstehen, muss man das sogenannte „Gay Village“ von Toronto kennen.

Rund um die Kreuzung Church Street und Wellesley Street entstand über Jahrzehnte eines der bekanntesten LGBTQ-Viertel Nordamerikas.

Hier fanden Menschen Gemeinschaft.

Hier lebten Menschen, die oft anderswo Ausgrenzung erlebt hatten.

Hier befanden sich Bars, Cafés, Treffpunkte und soziale Einrichtungen.

Doch die Gemeinschaft hatte auch eine verletzliche Seite.

Viele Bewohner waren Einwanderer.

Manche lebten mit psychischen Problemen.

Einige kämpften mit Armut.

Andere hielten ihre sexuelle Orientierung vor Familien oder ihrem sozialen Umfeld geheim.

Diese Faktoren sollten später eine tragische Rolle spielen.

Die ersten Verschwundenen

Im Jahr 2010 verschwand Skandaraj Navaratnam.

Freunde bemerkten sein Fehlen.

Er war regelmäßig im Village unterwegs gewesen.

Dann verlor sich seine Spur.

Kurz darauf verschwand Abdulbasir Faizi.

Auch er hatte Verbindungen zur Community.

Wieder gab es Fragen.

Wieder gab es Sorgen.

Im Jahr 2012 verschwand Majeed Kayhan.

Drei Männer.

Ähnliche Lebenswelten.

Ähnliche geografische Bezüge.

Viele Menschen in der Community begannen sich zu fragen, ob die Fälle miteinander zusammenhingen.

Die Polizei richtete eine Ermittlungsgruppe ein.

Sie erhielt den Namen „Project Houston“.

Beamte überprüften Hinweise, führten Befragungen durch und suchten nach Verbindungen.

Doch die Ermittlungen verliefen im Sande.

2014 wurde das Projekt eingestellt.

Die offizielle Einschätzung lautete, dass keine ausreichenden Hinweise auf einen konkreten Täter vorlägen.

Für viele Angehörige und Aktivisten war das ein schwerer Schlag.

Die Vermissten blieben verschwunden.

Antworten gab es nicht.

Ein Muster entsteht

Die Jahre vergingen.

Doch die Serie war nicht beendet.

2015 verschwand Soroush Mahmudi.

2016 oder 2017 verschwand Dean Lisowick.

2017 folgten Selim Esen und Andrew Kinsman.

Immer wieder dieselben Fragen.

Immer wieder dieselbe Unsicherheit.

Im Village verbreitete sich zunehmend die Überzeugung, dass ein Serienmörder aktiv sein könnte.

Viele Bewohner diskutierten darüber.

Es kursierten Warnungen.

Menschen achteten stärker aufeinander.

Doch offizielle Stellen erklärten noch Ende 2017, es gebe keine Beweise für einen Serienmörder.

Diese Aussagen sollten später massiv kritisiert werden.

Die Opfer

Einer der wichtigsten Aspekte des Falls besteht darin, die Opfer nicht auf ihre Rolle in einem Kriminalfall zu reduzieren.

Es handelte sich um Menschen mit Familien, Freunden und Hoffnungen.

Skandaraj Navaratnam

Der aus Sri Lanka stammende Mann war 40 Jahre alt, als er verschwand.

Freunde beschrieben ihn als warmherzigen Menschen.

Sein Verschwinden wurde für viele zum ersten Warnsignal.

Abdulbasir Faizi

Der Familienvater war aus Afghanistan nach Kanada gekommen.

Seine Angehörigen suchten jahrelang nach Antworten.

Majeed Kayhan

Der aus dem Iran stammende Mann führte ein komplexes Leben zwischen verschiedenen Identitäten und sozialen Welten.

Soroush Mahmudi

Auch er stammte aus dem Iran.

Sein Verschwinden erschütterte Freunde und Bekannte.

Dean Lisowick

Er hatte keinen festen Wohnsitz.

Gerade seine prekäre Lebenssituation erschwerte die Ermittlungen.

Selim Esen

Freunde beschrieben ihn als freundlichen und sanften Menschen.

Sein Tod löste große Trauer aus.

Andrew Kinsman

Kinsman war in der Community bekannt.

Er engagierte sich aktiv.

Als er verschwand, erhöhte sich der öffentliche Druck auf die Polizei erheblich.

Kirushnakumar Kanagaratnam

Der aus Sri Lanka stammende Mann war als Flüchtling nach Kanada gekommen.

Sein Schicksal wurde erst spät bekannt.

Wie McArthur vorging

Die Ermittlungen ergaben später ein erschütterndes Bild.

Bruce McArthur lernte viele seiner Opfer über die Community, über soziale Kontakte oder über Dating-Plattformen kennen.

Er suchte gezielt nach Männern, die sich in vulnerablen Situationen befanden.

Mehrere Opfer hatten Migrationshintergründe.

Einige führten Doppelleben.

Manche waren gesellschaftlich isoliert.

Diese Umstände konnten dazu führen, dass ihr Verschwinden weniger Aufmerksamkeit erhielt oder Angehörige Schwierigkeiten hatten, Vermisstenanzeigen durchzusetzen.

Die Taten erstreckten sich über einen Zeitraum von etwa sieben Jahren.

Nach seiner Festnahme fanden Ermittler digitale Beweise, Fotografien und weitere Hinweise, die eine Rekonstruktion der Verbrechen ermöglichten.

Die Ermittlungen zeigten außerdem, dass McArthur zahlreiche Erinnerungsstücke und Dokumentationen seiner Opfer aufbewahrt hatte.

Für erfahrene Mordermittler war dies ein typisches Verhalten vieler Serienmörder, die Kontrolle über ihre Taten behalten wollten.

Der Fehler, der Leben gekostet haben könnte

Eine der schockierendsten Enthüllungen betraf ein Ereignis aus dem Jahr 2016.

Damals beschuldigte ein Mann McArthur, ihn in einem Fahrzeug angegriffen zu haben.

Der Vorwurf war ernst.

Doch es kam nicht zu einer Anklage.

Später wurde dieser Vorfall intensiv untersucht.

Viele Beobachter stellten die Frage, ob weitere Morde hätten verhindert werden können, wenn die damaligen Hinweise konsequenter verfolgt worden wären.

Diese Diskussion entwickelte sich zu einem zentralen Bestandteil der gesellschaftlichen Aufarbeitung.

Project Prism

Im Sommer 2017 verschwanden Andrew Kinsman und Selim Esen.

Die Polizei gründete eine neue Ermittlungsgruppe.

Der Name lautete „Project Prism“.

Weitere Episoden von „Serienmord & Wahnsinn“

Alle Episoden von Serienmord & Wahnsinn · Mehr True Crime-Podcasts