Der Hillside Strangler: Der Mann, der hinter dem Namen verschwand

Episode von Serienmord & Wahnsinn von Martin Benes · 16. September 2026 · 12 min

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Am Morgen des 18. Oktober 1977 lag an einer Straße in Los Angeles der Körper einer jungen Frau im GebĂŒsch. Die Stadt war riesig, laut und rastlos, doch an diesem Ort war es still. Die Frau war tot, ihr Körper war zurĂŒckgelassen worden, als sollte er gefunden werden. Sie war die 19-jĂ€hrige Yolanda Washington.

Noch wusste niemand, dass ihr Tod der Beginn einer Mordserie war, die Los Angeles innerhalb weniger Monate verĂ€ndern wĂŒrde.

Die Polizei suchte zunĂ€chst nach einem TĂ€ter. Die Öffentlichkeit bekam einen Namen, der bald in Zeitungen und Fernsehnachrichten auftauchte: der „Hillside Strangler“. Die Vorstellung war zunĂ€chst die eines einzelnen Mannes, der nachts durch die Stadt fuhr, junge Frauen auswĂ€hlte, sie ĂŒberwĂ€ltigte und ihre Leichen an HĂ€ngen zurĂŒckließ.

Doch hinter diesem Namen verbargen sich zwei MĂ€nner.

Einer von ihnen war Angelo Buono Jr., ein 44-jĂ€hriger Autopolsterer aus Glendale. Der andere war sein jĂŒngerer Cousin Kenneth Bianchi. Zwischen Oktober 1977 und Februar 1978 wĂŒrden zehn junge Frauen und MĂ€dchen Opfer ihrer Gewalt werden. Ihre Altersspanne reichte von zwölf bis 28 Jahren.

Und lange Zeit ahnte niemand, dass die beiden MĂ€nner, die fĂŒr die Morde verantwortlich waren, nicht irgendwo im Verborgenen lebten. Sie bewegten sich mitten in der Gesellschaft.

Ein unauffÀlliger Mann

Angelo Buono war kein Mann, der auf den ersten Blick wie ein Serienmörder wirkte. Er arbeitete als Autopolsterer und betrieb sein GeschÀft in Glendale. Er hatte sich auf aufwendige Innenausstattungen spezialisiert und arbeitete auch an Fahrzeugen, die mit Persönlichkeiten aus dem ShowgeschÀft in Verbindung standen.

Buono war ein Schulabbrecher, verheiratet gewesen und Vater mehrerer Kinder. Nach außen fĂŒhrte er ein Leben, das in das alltĂ€gliche Bild einer amerikanischen Großstadt passte. Er arbeitete, fuhr Auto, kannte Menschen in seiner Umgebung und besaß ein Haus.

Doch hinter dieser Fassade lagen Eigenschaften, die spÀter im Zusammenhang mit den Morden eine andere Bedeutung bekommen sollten. Zeitgenossen beschrieben ihn als dominant, vulgÀr und frauenfeindlich. Er hatte Verbindungen zum Prostitutionsmilieu und stellte sich gern als Frauenheld dar.

1976 kam sein Cousin Kenneth Bianchi nach Los Angeles. Bianchi war deutlich jĂŒnger, wirkte gepflegter und hatte Ambitionen, im Sicherheits- oder Polizeiumfeld zu arbeiten. Er hatte den Wunsch, Polizist zu werden, und verstand es, nach außen einen seriösen Eindruck zu vermitteln.

Zwischen den beiden entstand eine enge Beziehung.

SpĂ€ter wĂŒrden Ermittler und StaatsanwĂ€lte versuchen zu verstehen, wie aus dieser Beziehung eine Partnerschaft in Gewalt werden konnte. Eine eindeutige psychologische ErklĂ€rung fĂŒr ihre Verbrechen gab es nicht. Sicher war jedoch, dass beide MĂ€nner gemeinsam handelten und sich gegenseitig in einer Eskalation von Macht, Kontrolle und Gewalt bestĂ€rkten.

Die falschen Polizisten

Ihr Vorgehen war perfide, weil es auf Vertrauen beruhte.

Buono und Bianchi gaben sich als Polizisten aus. Mit falschen Abzeichen und dem Auftreten von Beamten konnten sie Frauen glauben machen, sie hĂ€tten es mit einer offiziellen Kontrolle zu tun. FĂŒr die Opfer bedeutete das, dass Widerstand zunĂ€chst nicht zwingend erschien.

Die beiden konnten sie in ein Fahrzeug bringen und anschließend zu Buonos Anwesen beziehungsweise in seine Autowerkstatt fĂŒhren.

Dort begann die Gewalt.

Die Opfer wurden sexuell missbraucht, gefesselt und misshandelt. Anschließend wurden sie getötet. In den meisten FĂ€llen war Strangulation die Todesursache. Danach transportierten die TĂ€ter die Leichen an abgelegene oder öffentlich sichtbare Stellen in den HĂŒgeln rund um Los Angeles.

Die Körper wurden teilweise so zurĂŒckgelassen, dass sie von anderen Menschen entdeckt werden mussten.

Damit entstand ein Muster.

Und mit jedem neuen Fund wuchs die Angst.

Zehn Tote in vier Monaten

Nach Yolanda Washington folgte am 31. Oktober 1977 die 15-jÀhrige Judith Lynn Miller.

Miller war noch ein Teenager. Ihr Tod zeigte, dass die Opfer nicht einem klar erkennbaren Profil entsprachen, das der Öffentlichkeit Sicherheit hĂ€tte geben können.

Dann wurde Lissa Kastin getötet, eine 21-jÀhrige Frau, die als Kellnerin und TÀnzerin gearbeitet hatte.

Am 9. November verschwand die 28-jÀhrige Jane King. Ihre Leiche wurde erst spÀter entdeckt.

Wenige Tage danach traf es zwei MĂ€dchen.

Dolores Cepeda war zwölf Jahre alt, Sonja Johnson 14. Beide wurden im November 1977 getötet. Ihre Leichen wurden gemeinsam in der NÀhe des Dodger Stadium gefunden.

FĂŒr die Ermittler war dieser Fund ein Wendepunkt. Zwei junge SchĂŒlerinnen waren tot. Die Opfer waren nicht lĂ€nger nur einzelne FĂ€lle, die möglicherweise keinen Zusammenhang hatten. Die Polizei sah sich mit einer Serie konfrontiert.

Los Angeles begann, sich zu fĂŒrchten.

Junge Frauen gingen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr allein nach Hause. Eltern wurden nervös, wenn ihre Töchter unterwegs waren. Jede weitere Nachricht ĂŒber eine gefundene Leiche verstĂ€rkte den Eindruck, dass ein unbekannter TĂ€ter die Stadt kontrollierte.

Die Jagd nach einem Phantom

Die Polizei stand vor einem Problem, das SerienmörderfĂ€lle besonders gefĂ€hrlich machte: Die TĂ€ter hatten zunĂ€chst kaum etwas hinterlassen, das direkt zu ihnen fĂŒhrte.

Die Leichen waren an verschiedenen Orten gefunden worden. Die Opfer unterschieden sich in Alter und Lebenssituation. Die TĂ€ter hatten versucht, Spuren zu beseitigen.

Die Ermittler mussten deshalb aus einzelnen Tatorten ein gemeinsames Muster zusammensetzen.

Eine große Sonderermittlung wurde eingerichtet. Schließlich waren mehr als 160 Beamte an der Suche beteiligt. Hunderte Hinweise gingen ein.

Doch der Name des TĂ€ters blieb ein Phantom.

Die Medien verstÀrkten die Angst. Die wöchentlichen Pressekonferenzen der Polizei wurden zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Lebens. Jede neue Leiche erzeugte neue Schlagzeilen.

Der Begriff „Hillside Strangler“ setzte sich durch.

Dabei beruhte er auf einer falschen Annahme.

Es war kein einzelner TĂ€ter.

Kristina Weckler

Eine der ungewöhnlichsten Taten war der Mord an der 20-jÀhrigen Kunststudentin Kristina Weckler im November 1977.

Die TĂ€ter hatten unterschiedliche Methoden ausprobiert. Bei Weckler wurde Gas eingesetzt. Kenneth Bianchi beschrieb spĂ€ter, wie die Tat durchgefĂŒhrt worden sei.

Doch Bianchis Aussagen waren ein Problem.

Er war der einzige Mensch, der Buono unmittelbar mit den Morden in Verbindung brachte.

Und Bianchi war alles andere als ein zuverlÀssiger Zeuge.

Das sollte Jahre spĂ€ter zu einer der grĂ¶ĂŸten juristischen Herausforderungen des gesamten Falls werden.

Die letzten Opfer

Ende November wurde die 18-jĂ€hrige Lauren Wagner getötet. Sie war SchĂŒlerin an einem Business College und wurde weniger als einen HĂ€userblock von ihrem Elternhaus entfernt entfĂŒhrt, als sie von ihrem Freund zurĂŒckkam.

FĂŒr die Öffentlichkeit war das besonders erschreckend.

Wenn eine junge Frau praktisch vor der HaustĂŒr ihrer Familie verschwinden konnte, schien kein Ort mehr sicher.

Am 13. Dezember 1977 wurde die 17-jÀhrige Kimberly Martin getötet.

Dann verstummte die Mordserie plötzlich.

FĂŒr Wochen gab es keinen weiteren bekannten Fall.

Doch im Februar 1978 kehrte die Gewalt zurĂŒck.

Cindy Lee Hudspeth war 20 Jahre alt. Sie wurde am 16. Februar getötet. Ihr Tod war das Ende der Serie, die Los Angeles ĂŒber Monate terrorisiert hatte.

Danach hörten die Morde auf.

Nicht, weil die Polizei Buono und Bianchi gefasst hatte.

Sondern weil sich die beiden MĂ€nner voneinander entfernten.

Der Bruch

Kenneth Bianchi verließ Kalifornien und zog nach Washington State.

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